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Erzeugerkreis - Bio-Braugerste

Aussaat der Bio-Braugerste in der Biosphärenregion

Wertschöpfung vor Ort stärken: Regionale Bio-Braugerste für die heimische Bier-Produktion - Ein Projekt der Biosphärenregion Berchtesgadener Land mit ihrem Kooperationspartner Privatbrauerei M.C. Wieninger

Die von der UNESCO ausgezeichnete Biosphärenregion Berchtesgadener Land verfolgt das Ziel, die vielfältige heimische Kulturlandschaft zu erhalten und in diesem Zuge gemeinsam mit Akteuren vor Ort Projekte für eine nachhaltige Landnutzung und regionale Wertschöpfung umzusetzen. So unterstützt und initiiert die Verwaltungsstelle der Biosphärenregion die Bildung von Erzeugerkreisen für verschiedene landwirtschaftliche Rohstoffe und den Aufbau von kurzen Wertschöpfungsketten. Besonders letztere sollen die kleinbäuerliche Landwirtschaft eng mit dem traditionellen Ernährungshandwerk (bspw. Bäckereien, Käsereien, Metzgereien/Schlachthöfe), der Gastronomie und dem Gastgewerbe sowie dem regionalen Lebensmitteleinzelhandel verknüpfen, ganz nach dem Motto: Aus der Region. In der Region. Für die Region.

Bei einer Veranstaltung rund um den Laufener Landweizen und das Hoamat Weißbier entstand zwischen der Biosphärenregion und der Brauerei Wieninger die Idee, nach und nach weiteres heimisches Getreide für die Wieninger Bio-Biere anzubauen: Damit war im Dezember 2018 das Projekt zur regionalen Bio-Braugerste geboren.

Nach einem ersten Treffen zwischen Braumeister Bernhard Löw und Projektmanagerin Karin Heinrich gab es bereits im Januar 2019, mit Unterstützung von Naturland Fachberater Thomas Neumaier, eine Fachveranstaltung zum regionalen Bio-Getreideanbau – die ersten interessierten Erzeuger waren gefunden. Nach einem Bio-Gerstenfeldtag im Juli, den die Biosphärenregion wiederum in Kooperation mit Naturland organisierte, und weiteren Gesprächen mit Landwirten aus dem Netzwerk der Biosphärenregion konnte Anfang August 2019 der Erzeugerkreis für heimische Bio-Braugerste gegründet werden. Sieben Bio-Bauern, fünf davon aus dem Berchtesgadener Land, ein Erzeuger aus dem Landkreis Traunsteiner und ein Erzeuger aus dem nahen österreichischen Grenzgebiet einigten sich mit der Brauerei auf den Anbau von insgesamt knapp 23 Hektar Bio-Braugerste.
Für die Sommergerste wurde die Sorte Planet in Bio-Qualität gewählt. Eine große Besonderheit dabei ist der Versuchs-Anbau von Bio-Winterbraugerste in Öko-Qualität auf knapp 5 Hektar Fläche. Wintergerste ist generell ertragssicherer und könnte langfristig mit den sich ändernden klimatischen Bedingungen stabiler angebaut werden. Gewählt wurde die Sorte KWS Liga. Diese Sorte hat im Landessortenversuch, wenn auch anfällig für Mehltau, mit guten Erträgen und einer mittleren Halm- und Standfestigkeit gut abgeschnitten und könnte sich mit diesen Eigenschaften gut für den Öko-Anbau eignen. Da es derzeit im Öko-Landbau noch keine zugelassene Winter-Bio-Braugerste gibt, konnte über die Naturland Marktgesellschaft eine Ausnahmengenehmigung gestellt werden.

Eine wichtige Rolle für diese heimische Wertschöpfungskette spielt auch die Surmühle in Teisendorf, die die Bio-Gerste reinigen und lagern wird. Mit der Bio-Mälzerei in Riedenburg wurde ein verlässlicher Partner für die Herstellung von Bio-Gerstenmalz gefunden.

Aufgabe der Biosphärenregion Berchtesgadener Land wird es auch in nächster Zeit sein, den Erzeugerkreis zu koordinieren, gemeinsame Treffen mit dem Braumeister zu initiieren und fachlichen Austausch, wie etwa Schulungen oder Feldtage, zu organisieren – denn nur mit fachlicher Begleitung und Beratung, wie etwa durch die Naturland Fachberatung, kann der Anbau von heimischer Bio-Braugerste, die den Qualitätsansprüchen für das Bierbrauen entspricht, langfristig erfolgreich gelingen.

Beim diesjährigen Feldtag Mitte Juni konnten sich die am Projekt beteiligten Akteure unter fachlicher Moderation von Naturland Fachberater Thomas Neumaier ein aktuelles Bild vom vielversprechenden Bestand der Bio-Braugerste auf einigen Feldern der beteiligten Landwirte machen. Trotz teilweise schwieriger Wetterlagen haben sich sowohl Winter- wie Sommer-Bio-Braugerste sehr gut entwickelt. Die Körner der Bio-Braugerste sind bereits sehr schön ausgebaut, das lässt hoffen, dass auch der Eiweißgehalt zur Ernte passt und es ein hochqualitatives Bio-Malz aus der Biosphärenregion geben wird – so die Einschätzung von Wieninger Braumeister Bernhard Löw beim Feldtag.

Am 10. September 2020 veranstaltet die Biosphärenregion gemeinsam mit der Brauerei ein  Erzeugerkreis-Treffen, in dem die Ernte und die vergangenen Saison reflektiert sowie Anbaukonditionen für die nächste Aussaat besprochen werden. Auch weitere Interessenten aus der Biosphärenregion und dem näheren Umfeld für diesen Erzeugerkreis sind dazu herzlich eingeladen. Für weitere Infos zur Veranstaltung und zur dafür erforderlichen Anmeldung steht Ihnen Klaus Bauer, Entwicklung Biosphären-Produkte, per E-Mail oder telefonisch unter +49 8654 30946-22 zur Verfügung.

Mit der im Februar 2020 neu gestarteten Initiative zur Entwicklung von Biosphären-Produkten, schafft die Biosphärenregion überdies einen weiteren wichtigen Baustein für die Vermarktung hochwertiger Regionalprodukte. Nur funktionierende Beziehungen vom Erzeuger über den Verarbeiter bis hin zum Handel und den Verbraucher lassen heimische Wertschöpfung entstehen und dauerhaft erfolgreich bestehen.



Visitenkarten als Microformate

Rolf Gerlach
UNESCO Biosphärenreservat Berchtesgaden
Rolf.Gerlach@reg-ob.bayern.de
Salzburger Str. 64
83435 Bad Reichenhall, Bayern, Germany
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+49.8651/773-111