Biosphären-Weidebäume
Ein Beitrag zu Biodiversität, Klimaschutz & Tierwohl
Das Jahr 2026 ist das Internationale UN-Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums. Dies nimmt die Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land zum Anlass, Weidebäume an landwirtschaftliche Betriebe auszugeben. Weidebäume sind freistehende Bäume auf Weideflächen, welche vielfältige ökologische Funktionen übernehmen. Die Aktion erfolgt in enger Kooperation mit dem Biosphären-Partner Milchwerke Berchtesgadener Land eG und wird von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Berchtesgadener Land fachlich unterstützt. Die Biosphären-Weidebäume werden über das Wildbienenprojekt Berchtesgadener Land finanziert.
Zum Hintergrund der Weidebäume
Weidebäume, früher weit verbreitet als Hutebäume, sind freistehende Einzelbäume auf Weideflächen. Es handelt sich dabei um sogenannte Solitärbäume, deren Wuchsform sich von anderen Bäumen unterscheidet. Denn im Gegensatz zu anderen Arten stehen Solitärbäume nicht in einem dichten Wald oder in einer Reihe mit anderen Bäumen. Sie sind deswegen tiefer verastet und haben eine große, ausladende Krone. Sie haben damit auch positive Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Weidebäume sind im Biotopverbund zu sehen. So ist auch eine Biotoperweiterung möglich, indem die Pflanzung von Weidebäumen mit anderen Maßnahmen kombiniert wird, etwa mit Nistinseln wie Totholz, Steinhaufen, Blühwiesen, Sandhaufen oder stehendem Totholz, aber auch mit Hecken oder Kleingewässern.
Funktionen von Weidebäumen
Mit der Pflanzung von Weidebäumen wird ein einfacher Beitrag geleistet, die Weiden klimafit zu machen. So haben sie positive Auswirkungen auf das Mikroklima, tragen zur Erosionsminderung bei und dienen vor allem den weidenden Tieren als Schutz gegen Hitze und Wind. Auch im Berchtesgadener Land ist durch die sich verändernden klimatischen Bedingungen eine starke Erwärmung mit Trockenheit zu erwarten, wovon auch Betriebe mit Wiederkäuern betroffen sein werden.
Auswahl der Weidebäume
Bei der Auswahl der Bäume wird auf robuste, heimische Bäume geachtet, die gut mit Trockenheit umgehen können. Im Rahmen der Aktion „Biosphären-Weidebäume“ können je nach den Standortbedingungen der Weide Eiche, Linde und Bergahorn ausgewählt werden. Hier ist zu beachten, dass Schösslinge des Bergahorns für Pferde und Esel giftig, für Rinder hingegen unbedenklich sind. Es werden autochthone Bäume gepflanzt, welche durch ihre Genetik gebietsspezifisch an das Ökosystem angepasst sind bzw. hier heimisch sind. Die etwa 3 m hohen Bäume haben, gemessen auf 1 m Höhe, einen Stammumfang von 10-12 cm, sind circa 5 Jahre alt, 50 kg schwer und werden mit Drahtballierung geliefert. Sie sind dreimal verpflanzt und haben dadurch eine gute Kronen- und Wurzelentwicklung.
Wie mache ich mit?
Interessierte landwirtschaftliche Betriebe können sich bis zum 27. Juli 2026 um einen Biosphären-Weidebaum bewerben. Mit den vorhandenen finanziellen Mitteln können in etwa 30 Bäume inklusive der Pfähle und Seil finanziert werden. Die Auswahl wird nach Eingang der Bewerbungen getroffen, pro Betrieb gibt es zunächst einen Weidebaum.
Teilnahmevoraussetzungen
- Der Betrieb liegt im Landkreis Berchtesgadener Land
- Übermittlung des genauen Standorts inkusive Höhenlage der Pflanzung
- Einreichung eines Fotos der Weidefläche
- Ausgeschlossen sind Streuwiesen und Wiesenbrütergebiete
Die Bewerbung des landwirtschaftlichen Betriebes erfolgt formlos an Karin Heinrich von der Biosphären-Verwaltungsstelle, gerne per E-Mail.
Ablauf
Die Bäume werden zentral angeliefert. Die Landwirtinnen und Landwirte holen die Bäume und drei Pfähle zu einem festgelegten Datum ab und pflanzen sie eigenständig. Jeder teilnehmende Betrieb verpflichtet sich, den Baum mindestens in den ersten fünf Jahren anzupfahlen und selbst für einen Schutz des Baumes vor weidenden Tieren und Wildtieren zu sorgen. Hier sollte auf Plastik verzichtet werden, damit kein Mikroplastik in die Umwelt eingetragen wird.
Der genaue Standort für die Abholung wird noch bekannt gegeben. Die Pflanzung erfolgt in Eigenregie, die Biosphären-Verwaltungsstelle wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit 1-2 Pflanzungen nach Absprache mit dem Betrieb begleiten. Nach der Ausgabe der Bäume sollte die Pflanzung möglichst zeitnah stattfinden. Der genaue Zeitpunkt wird bis spätestens Ende September festgelegt und mitgeteilt. Die Pflanzung wird grob im Zeitraum von Mitte Oktober bis Anfang November stattfinden.
Wilde Ecken
Weidebäume sind als ein Element aus einem Baukasten zur Steigerung der Biodiversität zu sehen, so können sie gut in Kombination mit wilden Ecken gepflanzt werden.
Wilde Ecken sind Bereiche im Garten oder auf dem Be-trieb, die naturnah gestaltet sind und die Artenvielfalt fördern: Kleinere oder größere Lebensräume, die reich an Strukturen sind oder besondere Strukturen aufwei-sen. Sie beherbergen viele Arten auf einmal oder fördern besondere Einzelarten. Wilde, naturnahe Ecken
im Garten oder auf dem Betrieb schaffen mehr als einen hübschen Blickfang. Sie werden zu einem wichtigen Baustein eines gesunden Ökosystems.
Weiterführende Informationen
Die Pflanzungen erfolgen freiwillig im Rahmen der Aktion „Biosphären-Weidebäume“ mit dem Ziel der ökologischen, tierwohlgerechten und landwirtschaftlichen Aufwertung der Flächen. Um Planungssicherheit für die Bewirtschafter zu gewährleisten, wird darauf hingewiesen, dass mit der Pflanzung keine Ausweisung als „geschützter Landschaftsbestandteil“ im Sinne des Naturschutzrechts verbunden ist. Dies ist nicht mit den Landschaftselementen im Rahmen der GAP zu verwechseln. Sollte es aus betrieblichen oder sonstigen zwingenden, die Landwirtschaft betreffenden Gründen erforderlich sein, die Gehölze zu fällen, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen, ist dies unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben möglich. Dabei sind die Arbeiten außerhalb der Vogelbrutzeit vom 01.03. bis 30.09. durchzuführen. Die Biosphären-Verwaltungsstelle bittet jedoch in einem solchen Fall um vorherige Information und Rücksprache.
Artenvielfalt
Weidebäume schaffen eine dreidimensionale Struktur, mit der eine erhöhte Artenanzahl einhergeht.
Lebensraum
Weidebäume bieten Insekten, Vögeln, Reptilien und verschiedenen Käferarten Lebensraum.
Tierwohl
Weidebäume dienen den weidenden Tieren als Unterstand gegen Hitze und Wind.
Mikroklima
Aufgrund der verbesserten Verdunstungskühlung gibt es positive Auswirkungen auf das Mikroklima im Bereich der Weidebäume.
Erosionsminderung
Weidebäume tragen zur Erosionsminderung und damit zu einer Stabilisierung des Bodens bei.
Bodensubstanz
Weidebäume steigern, indem die Tiere das heruntergefallene Laub eintreten, die organische Substanz im Boden und regulieren den Wasserkreislauf.
Biosphären-Wildbienenprojekt
Die Weidebäume werden im Rahmen des Biosphären-Wildbienenprojekts ausgegeben. Das Wildbienenprojekt gibt es seit dem Jahr 2018. Ziel ist es, naturnahe und vielfältige Lebensräume zu fördern, um Insekten und Wildbienen im Speziellen neuen Lebensraum zu schaffen. Das Wildbienenprojekt der Biosphärenregion Berchtesgadener Land ist ein Gemeinschaftsprojekt mit den Nationalen Naturlandschaften e.V., unterstützt durch eine Förderung der Allianz Versicherung.
Ihre Ansprechperson
Karin Heinrich
Nachhaltige Regionalentwicklung, Landwirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit